Die Kriminalgeschichte mit Rico, dem „Tieferbegabten“, und Oskar, dem Hochbegabten, spielt in Berlin-Kreuzberg. Eigentlich soll Rico ja nur ein Ferientagebuch führen. Schwierig genug für einen, der leicht den roten oder den grünen oder auch den blauen Faden verliert. Aber als er dann auch noch Oskar mit dem blauen Helm kennen lernt und die beiden dem berüchtigten ALDI-Kidnapper auf die Spur kommen, geht es in seinem Kopf ganz schön durcheinander.

Rico, Oskar und die TieferschattenDoch zusammen mit Oskar verlieren sogar die Tieferschatten etwas von ihrem Schrecken. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Rico, Oskar und die Tieferschatten wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2009 in der Sparte Kinderbuch. In der Jurybegründung heißt es:

„Mithilfe von Ricos Erzählstimme gelingt Steinhöfel eine ganz besondere Milieuschilderung, die weder diskriminierend gegenüber den Figuren, noch überfürsorglich pädagogisierend gegenüber seinen jungen Lesern ist, sondern einfach nur treffend und liebevoll. Wenn sein Mutter fragt „Schon was gegessen, ein Döner oder so?“ (S. 19) wird unmittelbar deutlich, in welcher Sphäre Rico lebt. Logisch, hier kommen zu Hause Fischstäbchen und Ketchup auf den Tisch – von Äpfeln oder Joghurt keine Spur, sogar im Müsli ist Zucker.

Wie differenziert Steinhöfel Milieus schildert, fällt spätestens auf, als Rico Sophia besucht – das ist eine ganz andere Welt als die flapsig-fürsorgliche und zugewandte in Ricos Zuhause: Armut in jedem Kubikzentimeter der Wohnung, Sprachlosigkeit und Einsamkeit. Rico lässt den Leser an seinem Mitleid lebhaft und auf eine Weise teilhaben, die auch Kindern zugänglich macht, was es heißen könnte, in Sophias Welt zu leben.

Steinhöfels Sprache schließlich vereint Figurendarstellung und Milieuschilderung zu einem modernen Sozialroman für Kinder. Um aus der Perspektive Ricos erzählen zu können, schafft er ein umfassendes und sprachschöpferisch ausgeklügeltes Vokabular für dessen Weltwahrnehmung. Ohne Beschönigung taucht Steinhöfel ein in Ricos innere und äußere Welt, eröffnet uns einen neue kinderliterarische Maßstäbe setzenden Kosmos und legt so einen Roman für Kinder vor, der in Figurenzeichnung, Plotgestaltung, sprachlicher Gestaltung und Aussage nichts zu wünschen übrig lässt – eben ein Roman eines ganz und gar nicht tiefbegabten Autors.“

Rico, Oskar und die Tieferschatten
von Andreas Steinhöfel mit Illustrationen von Peter Schössow
für Kinder ab 10 Jahre, 224 Seiten, gebunden
Carlsen Verlag 2009, 12,90 Euro

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