Bela ist zehn Jahre alt als sein großer geliebter Bruder Julius durch einen Unfall ins Wachkoma fällt. Ein wunderbar warmes kindgerechtes Buch voller Abenteuer, Spannung und Hoffnung.

Ein schrecklicher Unfall geschieht, der das Leben einer Familie verändert. Eine neue Zeitrechnung beginnt: Die Zeit vor Julius' Unfall und die Zeit nach Julius' Unfall (n. J. U.). Wir begleiten Bela und seine Familie auf ihrem Weg in der Zeit n. J. U. Eine Zeit voller Trauer, Wut, aber auch Hoffnung und neuer Therapien.

Als mein Bruder ein Wal wurde

Bela stellt sich viele Fragen über das Leben und nicht immer kann er seinen Eltern diese Fragen stellen. In Belas Vorstellung ist Julius wie ein Wal, der durch die Tiefen des Ozeans gleitet. Irgendwann gibt es keine neuen Therapien mehr und ein Arzt fragt, was man machen soll, wenn Julius einen Infekt bekommt. Wäre es richtig, Julius‘ Leben zu erhalten? Was hätte Julius gewollt? Und kann es nicht sein, dass der gesunde Julius etwas ganz anderes gewollt hätte, als der Julius im Wachkoma? Wie kann man das wissen? Die Eltern sind sich darüber nicht einig und Bela merkt, dass die Familie droht, darüber zu zerbrechen.

Zum Glück hat sich Martha in Belas Leben geschlichen, ein etwas merkwürdiges Mädchen, das immer einen viel zu großen Pullover trägt. Martha weiß, wer Bela helfen kann: Der Papst. Der Papst sollte doch auf alle Fragen eine Antwort wissen. Deshalb machen sich Bela und Martha heimlich mit dem Zug auf den Weg nach Rom. Es beginnt ein Abenteuer, auf dessen Weg die Kinder auch immer wieder Menschen treffen, denen sie ihre Fragen stellen können. So beantwortet zum Beispiel der Anwalt im Zug so gut er kann Belas Frage, wie man für jemanden entscheiden soll, der nichts festgelegt. Und Bela erfährt unterwegs auch, wem die großen Pullover gehörten, die Martha trägt.

Nina Weger schreibt konsequent aus der Sicht von Bela, deshalb ist das Buch wirklich kindgerecht geschrieben. Es ist spannend und die große Reise der beiden Kinder liest sich wie ein (Rail-) Roadtrip. Es werden wichtige Lebensfragen gestellt und fast philosphisch beantwortet. Ein nachdenkliches, manchmal trauriges Buch, das uns aber auch erlaubt zu schmunzeln, zu staunen, das spannend ist und uns und den beiden Protagonisten zeigt, dass das Leben nicht stehen bleibt, wenn etwas Schlimmes passiert. Es geht weiter. Nur anders. Trotz der tiefgründigen Thematik ein wunderbar warmes, spannendes Abenteuerbuch voller Hoffnung.

Als mein Bruder ein Wal wurde

Nina Weger (Text) Eva Schöffmann-Davidov (Ill.)
Oetinger Verlag
ab 10
978-3-7891-0963-8
14,00 €

Unsere Buchtipps sind Empfehlungen der Buchhandlung Schwericke in Lichterfelde. Der Laden liegt direkt am S-Bahnhof Botanischer Garten. Natascha, im Team verantwortlich für den Bereich Kinder- und Jugendbuch, stellt an dieser Stelle jede Woche eine Neuerscheinung oder einen gut abgelagerten „Mustread“ vor.

 

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit (Karl Valentin)

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